Altern erzählen. ‚Rites de passage‘ als narratives Muster im zeitgenössischen Roman

Auszug aus: Miriam Haller: Altern erzählen. Rites de passage als narratives Muster im zeitgenössischen Roman. In: Dieter Ferring, Miriam Haller, Hartmut Meyer-Wolters, Tom Michels (Hg.), Soziokulturelle Konstruktionen des Alters. Transdisziplinäre Perspektiven, Würzburg 2008, S. 95-117. Abb.: Sailor Professional Gear Kanreki Red Fountain Pen, „created to celebrate the 60th birthday of Sailor’s nib designer, Mr. Kagwaguchi…

Rites de passage? Biographische Übergänge als PASSAGEN

Rites de passage — eine ethnologische Perspektive Der Ethnologe Arnold van Gennep unterscheidet in seiner Untersuchung „Les rites de passage“ (1909) über die Übergangsriten indigener Völker drei Phasen, die sich durch jeweils spezifische Rituale voneinander unterscheiden. Die Rituale bilden schützende Passagen oder Übergänge zwischen einzelnen Lebensphasen und Lebensaltern. Sie bilden auch Passagen zwischen dem sakralen…

Von Fadenspielen, dem Wissen der Ältesten und Tragetaschengeschichten. „Mit-Sein“ auf der Biennale in Venedig

Gleich Fadenspielen ziehen sich Muster durch die von Cecilia Alemani kuratierte 59. KUNST-Biennale in Venedig. Fadenspiele gibt es in allen Kulturen. Sie werden von Kindern und Erwachsenen gespielt. Kunst und Spiel Der Multimedia-Künstler Francis Alÿs zeigt im Belgischen Pavillon nahe des Eingangs zu den Giardini in ethnografischen Kurzfilmen, wie Kinder auch unter schwierigsten Lebensumständen überall…

„Der Muse reichts“. Wut im Leib

Neulich bei einer Tagung schlängelte sie sich wieder einmal durch meinen Leib. Erst zaghaft von unten aus der Erde in die Füße, umwindet sie Waden, Beine, sammelt sich im Bauch. Dort wird sie heiß und fest, steigt höher zum Herzen. Das klopft schneller, treibt Blut durch meinen Körper. Im Hals wird es eng. Wut will…

Stadtpassagen: Paris — Kairo. Die Passage du Caire

PARIS, 23. April 2022 Ende 1798 wurde die Passage du Caire in Paris eröffnet. Sie ist die älteste und gleichzeitig längste glasüberdachte Passage von Paris. Walter Benjamin erinnert mich: „Vor dem Eingang der Passage ein Briefkasten: eine letzte Gelegenheit, der Welt, die man verläßt, ein Zeichen zu geben.“ (Benjamin, Passagen-Werk, S. 140) Ich werfe meine…

„En passant in andere Räume“? Durch die Mikromuseen des Wiener MuseumsQuartiers

20. MÄRZ 2022 Sie nennen sich LITERATURpassage, TONSPUR_passage, STREET ART PASSAGE VIENNA, KABINETT comic passage, Typopassage Wien, Meteoritenpassage, Brückenpassage, Sternenpassage, PERFORMANCE Passage. Will man eines der Museen des Wiener Museumsquartiers besuchen, hat man keine andere Wahl als eine Passage zu durchschreiten. Barocke Gewölbe bilden die Zugänge zum Wiener Museumsquartier, überformen und schützen den Übergang vom…

Textpassagen. Der unentzifferbare Diskos von Phaistos

Der im Archäologischen Museum von Heraklion zu bestaunende Diskos wurde in Phaistos auf Kreta gefunden. Man nimmt an, dass die Scheibe aus gebranntem Ton aus der Bronzezeit stammt: Im Museum wird sie auf das 17. Jahrhundert vor Christus datiert! Weitgehend einig scheint man sich darüber zu sein, dass der Diskos weltweit den ersten bekannten Druck mit einzelnen beweglichen Lettern darstellt….

Xronia polla! Griechischer Übergang ins Neue Jahr

„Xronia polla“ wünscht man sich in Griechenland nicht nur zum Neuen Jahr, sondern auch zum Geburtstag und Namenstag. Es ist der gebräuchlichste Glückwunsch hier und meint wörtlich übersetzt: „Viele Jahre“! Ich weiß nicht, von wie vielen Menschen uns am Neujahrstag und auch noch in den Tagen danach diese „vielen Jahre“ gewünscht worden sind und ebensowenig…

Tanz das Labyrinth! In die Mitte von Kreta und zurück

Am Eingang zum Palast von Knossos, ganz in der Nähe von Heraklion, der größten Stadt Kretas, die in der Mitte der Insel liegt, staunen drei Kinder eine Fremdenführerin mit großen Augen an: Sie erzählt ihnen, wie Theseus das menschenfressende Ungeheuer Minotauros, besiegt hat, das — halb Mensch, halb Stier — verborgen im Innersten des Palastes…

Erkenne Dich selbst – in dem Moment. Die Maxime von Delphi

„Gnothi seauton“ (altgriechisch Γνῶθι σεαυτόν) lautet die vielzitierte Formel des „Erkenne dich selbst“, die als Inschrift direkt am Eingang an einer der Säulen des Apollontempels von Delphi die Ratsuchenden spätestens ab Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. empfangen haben soll. Ein antikes Schwellenritual. Darauf zumindest lassen die Schriften der Philosophen schließen, die diese Inschrift von…