Bedeutungsvolles Wohnen. Nachhausekommen in Pablo Nerudas Häusern in Santiago, Valparaiso und Isla Negra

Wie wichtig Pablo Neruda das Nachhausekommen nach seinen ausgedehnten Reisen in seinem bewegten Leben gewesen sein muss, das spürt man in jedem Winkel seiner Häuser. Drei sind es immerhin. Eines, das er La Chascona nach den wirren Haaren seiner Frau getauft hat, befindet sich in Santiago auf dem Hügel Bellavista mit Blick über die gesamte Stadt.

Das zweite, La Sebastiana, liegt auf einem der Hügel von Valparaiso und hat einen noch spektakuläreren Blick über Valparaiso, den Hafen und das Meer.

Seinen Sessel im Wohnzimmer mit eben diesem Blick nannte er „Wolke“. Ich werde mir auch einen Wolken-Sessel einrichten, wenn ich zurückkomme. Um zu Hause den Blick in die Ferne richten zu können und mich an die Reisen zu erinnern und daran, wie bedeutungsvoll und mit Gedanken aufgeladen mir jedes noch so kleine Stück Einrichtung in Nerudas Häusern vorkam.

Das Haus in Isla Negra, etwa zwei Busstunden von Valparaiso entfernt, liegt direkt am Meer. Was für ein Blick, nicht nur, aber auch aus dem Schlafzimmer:

In der Schlange warten wir diszipliniert, wie es in Chile üblich ist, bis wir schließlich doch erstaunlich schnell eingelassen werden in die Heiligtümer des Dichters, des hochverehrten Literaturnobelpreisträgers, Diplomaten, Politikers, Lebenskünstlers und großen Sammlers Neruda. Auf dass wir uns selbst ein Bild machen können von seiner Sammelleidenschaft, seinem ebenso umfassenden, wie verspielten Gestaltungswillen, der in jedem Winkel der Häuser zum Ausdruck kommt.

Und von seiner Gastfreundschaft: In jedem der Häuser spielt der Esstisch eine zentrale Rolle, das bunte Geschirr und die Bowlegefäße auf dem Tisch. Hier wurde gegessen, getrunken, diskutiert und gefeiert.

In allen drei Häusern gibt es eine Bar, hinter der er wohl gern gestanden hat, um seine Gäste zu bewirten, sie mit seinen wechselnden Verkleidungen zu überraschen und die Stimmung hochzuhalten mit einem Cocktail, den er Coquetelon (Verführer) nannte.

In Isla Negra wollte er begraben werden. Er ist kurz nach dem Sturz Allendes und dem Beginn der Diktatur gestorben. Die Häuser in Santiago und in Isla Negra wurden vom Militär verwüstet. Trotz massiver Repressionen ließ es sich die Bevölkrtung nicht nehmen, Abschied von ihrem Dichter zu nehmen: Sein Begräbnis war die erste größere Demonstration gegen die Militärjunta. Erst nach Ende der Militärdiktatur wurden seine Überreste und die seiner Frau Matilde nach Isla Negra umgebettet, so wie sie es gewünscht hatten und wie er es in seinem Gedicht “Disposiciones” im „Canto General“ formuliert hat:

“Compañeros, enterradme en Isla Negra, / frente al mar que conozco, a cada área rugosa de piedras/ y de olas que mis ojos perdidos/ no volverán a ver…”

„Kameraden, begrabt mich in Isla Negra, mit Blick auf das Meer, das ich kenne, an diesem von Felsen rauhen Platz, und von Wellen, die meine vermissten Augen nicht mehr sehen werden…“

Unsterblich bleiben seine Gedichte und — was ich bisher nicht wußte — seine Gerichte. Köstlich, seine Seeaalsuppe und ebenso die Ode, die er an sie gedichtet hat. Hört sie euch bitte an in der deutschen Übersetzung, gelesen von Eberhard Esche: https://youtu.be/nGLYZjRogw8

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