AM ZIEL. AUF DEM QHAPAQ ÑAN VON CUSCO ÜBER DAS HEILIGE TAL DER INKA HOCH ZUM MACHU PICCHU

16. MÄRZ 2018

Nach einer holprigen Fahrt vom Titicaca-See über die peruanische Grenze nach Puno, wo wir warten bis ein klappriger Bus uns schließlich irgendwann nachts mit knackenden Knochen in Cusco aussteigen lässt, staunen wir am Morgen mit großen, noch etwas verschlafenen Augen über die Schönheit von Cusco.

Um Cusco herum liegen zahlreiche Inka-Festungen, Paläste und Tempel mit klingenden Namen wie Sacsayhuaman, Quengo, Tambomachay und Puca pucara.

Das Zentrum der Stadt bildet der Qoricancha, der goldene Hof der Inka, auf dessen Grundmauern die Spanier das Kloster Santo Domingo errichteten. Das Erdbeben von 1950 zerstörte Teile des Kreuzgangs und die Mauern des inkaischen Qoricancha kamen unbeschädigt zum Vorschein. Wie stolz der Reiseführer das erzählt!

Hier befand sich zu Inkazeiten der Nabel der Welt, das Zentrum eines riesigen Kommunikationssystems, das mit seinen entfernten Provinzen über Straßen, dem Netz des Qhapaq Ñan, verbunden war. Boten liefen in Teilstrecken zwischen den Provinzen hin und her und trugen Informationen auf Quipus weiter, geknotete Seile, auf denen jeder Knoten eine bestimmte Bedeutung hatte. Hier fanden die Spanier in Stein gehauene Paläste und Tempel, ausgeklügelte Bewässerungsanlagen und riesige Terrassenanlagen für die Landwirtschaft und zum Schutz der auf den Bergen liegenden Städte vor Erdrutschen — und das ersehnte Gold, das für die Inka keinen ökonomischen, sondern nur ästhetischen Wert als Spiegel der Sonne und Untergrund für ihr Bild von der Welt hatte.

Froh, Cusco erreicht zu haben, machen wir uns am nächsten Tag im Morgengrauen auf zur Zugstation, um mit Bus und Zug nach Agua Calientes zu fahren, und von dort aus den alten Berg, den Machu Picchu, zu besteigen. So der Plan.

Aber es ist Regenzeit, und der heilige Fluss droht über die Schienen zu fluten. Wir werden zurückgeschickt: An diesem Tag fahre kein Zug mehr nach Machu Picchu, vielleicht am nächsten Tag, aber nur, wenn der Regen aufhöre. Das wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn wir so einfach vor uns hinschlendernd nach Machu Picchu kämen, wenn andere vier Tage oder auch Wochen über den Inka-Trail pilgern, um entsprechend erschöpft am mystisch-mythischen Ort der Sehnsucht anzukommen.

Wir sehen schon die nächste Perureise vor uns. Entschlossen, zumindest das heilige Tal zu sehen, schließen wir uns einer Reisegruppe an und fahren mit el grupo durch das heilige Tal über die Inkastätte Pisaac nach Ollantaytambo.
Hier erfahren wir, dass die Züge ab nachmittags wieder fahren sollen. Als der Zug abfährt, regnet es immer noch, und es ist später Abend, so dass wir nachts in Aguas Calientes ankommen, wo wir uns müde im Regen zum Hostal schleppen. Am nächsten Tag meinen es die regenspendenden Kröten der Inka immer noch nur allzu gut mit uns. Mit dem Bus fahren wir hoch auf den Berg.

Und dann liegt die Stadt da, in den Nebelschleiern, umgeben von vier Bergen in den vier Himmelsrichtungen des Inkareiches: Machu Picchu.
Und mir fehlen die Worte.

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