KONDOR, PUMA, SCHLANGE UND KRÖTE. TIERISCHE ÜBERGANGSHELFER IM WELTBILD DER INKA – CUSCO, HEILIGES TAL UND MACHU PICCHU

16. MÄRZ 2018
Wie ich im letzten Beitrag erzählt habe, werden die drei Welten der Inka durch bestimmte Tiere repräsentiert, die jedoch auch das Vermögen haben, die Welten zu überschreiten und zu verbinden und die Menschen auf ihrer Reise zwischen den Welten mitzunehmen.

Es ist ein magisches Denken in Ähnlichkeiten, das das Weltbild der Inka kennzeichnet. Ein Zitat von Mircea Eliade, das ich in einem Führer über „Cusco und das heilige Tal der Inka“ (2013) gefunden habe, mag das besser erklären: „Für traditionelle Gesellschaften haben Gegenstände in der Außenwelt sowie auch menschliche Taten keinen wirklichen autonomen Wert. Ein Gegenstand oder eine Handlung gewinnt einen Wert und wird dadurch wirklich, weil er auf dem einen oder anderen Weg an einer Realität teilhat, die er transzendiert. Ein Stein unter vielen anderen wird heilig – und ist daher von Sein erfüllt – nur weil seine Form eine Ähnlichkeit mit einem bestimmten Symbol zeigt oder weil er an eine mythische Kraft erinnert.“ (Mircea Eliade 1985, 12)

KONDOR
Der Kondor steht für die luftige Oberwelt. Man hält ihn für einen Boten der Sonne . Er hilft, die Übergänge zwischen den drei Welten zu meistern und ist für die Reise der Geister der Toten in die Unterwelt zuständig. Auf den Schwingen des Kondors sollen die Totengeister in die Unterwelt reisen.
Er findet sich in Tempelanlagen wie dem Tempel des Kondors in Machu Picchu.

Die gesamte Anlage der Stadt Pisac im heiligen Tal soll auch einen Kondor darstellen. Das Ritualzentrum von Pisac liegt zwischen zwei Friedhöfen. Die folgenden fotografierten Buchseiten stammen aus dem Führer: „Cusco und das heilige Tal der Inka“ (2013).

PUMA
Der Puma steht für Macht und für unsere alltägliche Welt: Er soll im alten Stadtbild von Cusco erkennbar gewesen sein.

Und in einem dunklen Bereich der Milchstraße.

SCHLANGE
Die Schlange steht für die Unterwelt. Sie ist ein Symbol der Weisheit.
Im Himmelsbild wird ihr die Milchstraße gleichgesetzt.
Auf Erden wird der Fluss, der sich durch das heilige Tal schlängelt, als Schlange angesehen und als Entsprechung zur Milchstraße des Himmels.

LAMA
Lamas waren und sind wichtige Nutztiere in den Andenländern. Sie tragen Lasten, geben Wolle für die Herstellung der kunstvollen Textilien, und sie werden gegessen. Lamafleisch gibt es hier an allen Ecken. Zu Ehren des LAMAs wird im Januar ein Fest begangen, in dem die Lamas mit bunten Bändern geschmückt werden.
Das LAMA wurde am Himmel entdeckt.

Es wurde in der Form der Tempelanlage von Ollantaytambo verewigt. Francisco de Avila schreibt darüber:
„Sie sagen, dass das Yamaha (Catachillay) wie der Schatten eines Lamas oder ein Double dieses Tieres ist, das durch das Zentrum des Himmels geht. Es ist sehr groß und dunkler als der Nachthimmel, es hat einen langgestreckten Nacken und zwei Augen… man sagt auch, dass es um Mitternacht herunterkommt, um Wasser aus dem See zu trinken und dann ist es nicht mehr möglich, es zu sehen und zu fühlen. Denn wenn es dieses Wasser nicht trinken würde, gäbe es auf der ganzen Erde Überschwemmungen.“

Es findet sich als Bild in den Mauern wieder.

Und die alte Anlage von Ollantaytambo soll ein LAMA versinnbildlichen.

Neben diesen Tieren gibt es aber auch noch andere Totemtiere, wie zum Beispiel die Kröte.

Sie steht für Fruchtbarkeit und Wasser, den ersehnten Regen. Die größten Kröten werden Pachacuti, d.h. Weltveränderer genannt, womit Veränderungen gemeint sind, die durch Naturkatastrophen aufgrund von Wassermangel oder Wasserüberschuss hervorgerufen werden. Auch sie werden noch heute in Felsformationen verehrt oder in Textilien gewebt. Nur, dass sie heute nicht mehr für Fruchtbarkeit, sondern für Geld stehen.

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