Wie gehst Du, mein Leben? Ankommen auf Kuba

Ankunft in Varadero: Die ersten Schritte in meinem neuen Leben. Ans Meer. In die Weite. Schwindel. Ich muss mich setzen. Überwältigt von der Farbenpracht des Meeres — tantos azules, so viele Blautöne habe ich noch nie gesehen. Farbübergänge in blau.

18 Strände Varadero 15.05 (82)

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Noch müde von der Zeitumstellung laufen wir in der Mittagshitze durch die flirrenden Schachbrett-Straßen Varaderos auf der Suche nach Schatten und einem Kaffee.

Vor dem Café, das wir schließlich finden, sitzt ein älterer Mann an der Bushaltestelle, Zigarre rauchend:

12.1 Menschen alte Santa Clara (140)

„Como andas, mi vida?“, fragt er mich: „Wie geht es Dir, meine Liebe?“ Wörtlich übersetzt: „Wie gehst Du, mein Leben?“. Ich antwortete, wie man so antwortet: „Bien, hace mucho calor, y tu, como te va?“ – „Gut, es ist heiß, und Dir, wie geht es Dir?“ Dabei denke ich, dass ich eigentlich gerade gar nicht so genau weiß, wie es „meinem Leben“ geht. Er lacht. „Mas o menos“, antwortet er: „Geht so — mehr oder weniger“.

Später werde ich mich an dieses erste kleine Gespräch auf Kuba erinnern, als wir in Havanna auf der Plaza de la Revolución stehen und uns das riesige Wandbild von Camilo Cienfuegos anschauen. Unter diesem Bild steht in großen Lettern: „Vas bien, Fidel“ — wörtlich übersetzt: „Du gehst gut, Fidel“.

Revolutionären geht es nicht. Sie gehen — gut oder gar nicht. Auf jeden Fall: „Hasta la victoria siempre“. Immer bis zum Sieg. Puh.

Ich bin müde. Und ich gehe nicht gut. Jeder Schritt kostet Kraft. Interessant: Tanzen klappt besser als Gehen. Beim Tanzen richte ich mich auf. Der Rhythmus reißt mich mit. Die Schritte kommen von allein. Musik und Tanz ist auf Kuba allgegenwärtig.

Trotzdem: Dieses Bild des ‚guten Gehens‘ hat sich mir tief eingeprägt. In Buenos Aires werde ich es später wieder aufgreifen, wenn mir dort immer noch bei jedem Schritt die Schultern schmerzen werden: VAS BIEN? GEHST DU GUT?

2 Parolen, Sprüche Baracoa (10)

„Die innere Kontrolle ist die beste Form der Organisation und Führung.“

2 Parolen, Sprüche Baracoa (11)

„Schluss damit, Angst zu haben. Suchen wir nach Problemen bei der Erfüllung unserer Aufgaben und nehmen, als wäre es unsere eigene, eine Mentalität der Ordnung, Disziplin und des Anspruchs an.“ Raul Castro Ruz

Na dann. Ich weiß nicht, ob das noch trägt. Wie gehst Du, mein Leben? Mir ist schwindelig beim Gehen auf Kuba. Es ist die erste Etappe meiner zwei Sabbatjahre. „Gap Year“ nennen das die Jüngeren, wenn sie sich ein „Lückenjahr“ nach der Schule, vor dem Einstieg ins Studium oder in die Ausbildung nehmen. Was wird nach meinen beiden „Lückenjahren“ kommen? Wie geht es weiter? Wie werde ich weitergehen? Mind the Gap. Ich gehe vorsichtig. Langsam. Schritt für Schritt.