Habanaguex. Transformation der Sozialen Stadtplanung in Habana

Habanaguex ist eine Idee des Stadthistorikers von Havanna: Eusebio Leal Spengler. Genial. Im Jahr 1994 wurde der Historiker von Fidel beauftragt, die umfangreiche Restaurierung der Hauptstadt zu koordinieren. In Zeiten knapper Kassen sollte sie sich vor allem durch Einnahmen aus dem Tourismus refinanzieren. Mit einem Startkapital von einer Million US-Dollar hat die staatliche Firma Habanaguex die kolonialen Prachtbauten Havannas in Hotels, Gaststätten und Museen verwandelt.

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Zu Habanaguex zählen Bauunternehmen, eine Reiseagentur, Berufsschulen, in denen junge Menschen in alten Handwerken ausgebildet werden, Hotels, Restaurants, Museen, Supermärkte, ein Geschäft mit kubanischer Kleidung, ein Optiker. Die Devisen (CUC), die diese Geschäfte einnehmen, gehen zu 60% in die Restaurierung der Stadt und zu 40% in soziale Projekte.

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Am Plaza Vieja, dem zentralen Platz im historischem Zentrum Havannas, reiht sich ein Café an das andere, ein Hotel an ein Museum. Auf dem Turm des Museums lädt eine Camera Oscura ein, den Platz und die Stadt zu betrachten. Sie steht wahrlich auf dem Kopf: Der Benettonladen auf der Plaza Vieja nebst Lacoste und GAP kommen ohne große Werbeschilder aus. Und sie alle zahlen an Habanaguex.

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Wenn ein Haus renoviert wird, wird den Bewohner*innen ein Ersatzquartier gestellt. In der Gegend um den Plaza Vieja stehen mehrere Containerhäuser, in denen sie übergangsweise untergebracht werden.

Mitten auf dem Vorzeige-Platz ist die Grundschule geblieben, deren Schüler*innen geraume Zeit durch den Baulärm der Restaurierung gestört wurden. Jetzt ist gerade Siesta-Zeit. Die Kinder schlafen im Klassenzimmer in ihren Hängematten.

Dank des Pragmatikers Ernesto Leal wurde der Unterricht während der Bauzeiten kurzerhand in die zahllosen Museen der Stadt verlegt. Die ‚aula museo‘, das Klassenzimmer im Museum, das jetzt alle Schulen benutzen können, ist nun fest etabliert, um den Kindern vor Ort im Museum Untericht zu geben. Aber nicht nur die Schulkinder haben ihren Platz im Museum gefunden, sondern auch die streunenden Hunde Havannas. Wieder eine Idee des Stadthistorikers. Die verlassenen Hunde werden auf die Museen und öffentlichen Einrichtungen verteilt. Der Hund des Museums mit der Camera Oscura heißt P9 – so sagt es seine Identitätskarte, die er um den Hals trägt, und so ruft ihn die Museumswärterin. Hasta luego, P9.

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Zu Habanaguex zählt auch das Seniorenzentrum ‚El Convento de Belen‘, in das die Senior*innen des Viertels zum Mittagessen kommen, Vorlesungen von Unidozent*innen hören, Domino, den kubalischen Volkssport, spielen, Handarbeiten und – im hauseigenen Fitnesscenter trainieren.

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Es gibt einen Arzt und einen Optiker im Hause. Die Senior*innen kommen tagsüber ins Zentrum, ein offener Seniorentreff. Die über 80-jährige Rosa führt uns durch das Haus und zeigt uns die Fitnessgeräte, die sie selbst hergestellt haben.

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