Schöner Scheitern, wuchtig Altern. Zorbas tanzt

Über meiner Lieblings-Bucht Kalogria, eine der vielen Buchten auf der wilden Mani, dem mittleren Finger des Peleponnes, thront dieses Wandgemälde. Es zeigt Giorgios Zorbas und seinen Freund, den Schriftsteller Nikos Kazantzakis. Hier, an diesem Strand haben sie in den Jahren 1916 und 1917 Abend für Abend gemeinsam gesessen und geredet, haben versucht, in Stoupa ein Kohlebergwerk zu betreiben. Doch das Projekt scheiterte.

Giorgios Lebensweisheiten und die Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Männern bilden die autobiografische Grundlage von Katzanzakis Roman und der kongenialen Verfilmung von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn.
Im Roman ändert Kazantzakis den Vornamen seines Protagonisten in Alexis. Den Ort der Handlung verlegt er vom mittleren Finger des Peleponnes auf seine Heimatinsel Kreta. Zu Unrecht, meine ich. Die rauhe Mani mit ihren Wehrturm-Häusern und ihren unbeugsamen Manioten passt herrlich zu meiner Vorstellung von Zorbas.

Ich sehe im Halbdämmerzustand am Strand von Kalogria, wie nicht nur die Sandburgen der Kinder heute einkrachen, sondern auch die Lasten-Seilbahn der beiden einstürzt. Zwischen Strandgetümmel und Meeresrauschen höre ich Zorbas lachen: „Heh, Boss! Hast du jemals erlebt, dass etwas so bildschön zusammenkracht?“
Ein rothaariges Mädchen, Luzy, übt wieder und wieder den Handstand. Unermüdlich schwingt sie ihre Beine in die Luft, kippt nach allen Seiten um, überschlägt sich, erschreckt sich, reibt sich die Gelenke und – steht wieder auf und versucht es aufs Neue.
Mit diesem Anfängergeist, diesem scheinbar unermüdlichem Mut des Beginnens begegnet Zorbas auch dem Altern: „Weißt du, sie sagen das Alter, dass tötet das Feuer, da drin im Menschen und dann…dann hört er den Tod kommen. Er öffnet die Tür und sagt: Komm rein, gib mir Ruhe. Das ist ein ganzes Paket voll lauter dummes Zeug. Ich hab noch soviel Wucht in mir, ich könnte die ganze Welt aufs Kreuz legen. Also…also kämpfe ich!“
Tollkühn und vielleicht etwas manisch, zumindest maniotisch wild. Trotzdem hilft’s mir. Dieses Vertrauen in die eigene „Wucht“. Tolles Wort. Also: Wenn etwas zusammenkracht, Zorbas lesen oder anschauen. Und tanzen!


https://youtu.be/QskFT7AaKH0

Oder Handstand üben.