Reiseproviant: Trachanás — (m)eine griechische Wohlfühlsuppe

Auf Reisen kann das Essen in Restaurants für mich manchmal noch so vielfältig, unbekannt und verlockend sein — manchmal brauche ich eine einfache Suppe. Nach einem Sturm- und Regentag, wo es Zeus und Poseidon in Agios Nicolaos, dem gastfreundlichen kleinen Fischerdorf auf der Mani, dem mittleren Finger des Peleponnes, ordentlich haben krachen lassen, war es wieder soweit. Nach einem Vormittag unter der Markise vor dem Kaphenion, ausführlichen Gesprächen mit Jorgos über das Fischen im Sommer und das Jagen im Winter, über Ouzo und Tavli-Spielen, über Herbstürme und den herbeigesehnten und nun doch etwas zu Sintflut-artigen Regen, wünsche ich mir ordentlich durchgefroren sehnlichst meine Küche herbei. Aber da ist Ellis wunderbares Restaurant in Agios Nicolaos, und Elli rettet uns. „Wir kochen Euch eine richtig gute Trachanás-Suppe“, schmunzelt sie und verschwindet in der Küche, um nach kurzer Zeit mit zwei dampfenden Tellern wiederzukommen. Auf dem Weg präsentiert sie die Köstlichkeit lachend ihrer Verwandtschaft, die am Nebentisch mit tausend Tellerchen Mezedes ausgiebig tafelt. Eine alte Dame runzelt erstaunt die Stirn: „Das wäre doch nichts für ein Restaurant“. „Doch, für uns schon!“, sagen wir und löffeln glücklich unsere Suppe. Efcharistó, liebe Elli, nicht nur dafür, dass Du uns mit dieser Suppe bekannt gemacht hast, sondern für all Deine Köst- und Herzlichkeiten.

Trachanás ist eine Art Mischung zwischen Nudeln, Gries und Graupen. Sie werden aufwendig hergestellt:

Joghurt und Grieß werden in heiße Butter eingerührt. Dann wird Mehl untergehoben.

Wenn die ganze Masse fest wird, nimmt man sie von der Kochplatte und reißt Flocken daraus.

Diese legt man auf einem Tischtuch zum Trocknen aus.

Wenn sie trocken sind, werden diese Flocken auf einem Sieb fein gerieben.

Bei einer unserer Fahrten durch die Bergdörfer des Peleponnes kaufe ich handgemachte Trachanás, um in der nächsten Unterkunft mit kleiner Kochnische, die wir beziehen, die Suppe selbst zu kochen.

Das wird noch etwas dauern, aber schließlich haben wir auf Santorini, ganz am Ende unserer Griechenland-Reise, das Glück einer eigenen Küche.

Das ist mein Rezept, inspiriert von Ellis Original:

Zwiebelwürfel in Butter anschwitzen, eine kleine Tasse Trachanás dazugeben. Mit Wasser aufgießen, Salz, Pfeffer, Paprika, Oregano und — eine Stange Zimt dazugeben. Zum Kochen bringen. Rote und grüne Paprika dazu sowie Kirschtomaten. Kochen lassen und dabei häufig umrühren. Wenn die Suppe sämig geworden ist, ein paar Weintrauben oder auch Oliven und Schafskäse unterühren. Zum Schluss mit Zitrone und Olivenöl beträufeln. Ein paar Basilikumblättchen obendrauf wären die Krönung gewesen, aber auf der lavatrockenen Vulkaninsel Santorini sind Basilikumbüsche, die auf dem Peleponnes vor jeder Haustür standen, nicht mehr so leicht zu finden.

Nicht nur beim Reisen, sondern bei allen Arten von Passagen: Suppen machen warm ums Herz und wirken Wunder.