Xronia polla! Griechischer Übergang ins Neue Jahr

„Xronia polla“ wünscht man sich in Griechenland nicht nur zum Neuen Jahr, sondern auch zum Geburtstag und Namenstag. Es ist der gebräuchlichste Glückwunsch hier und meint wörtlich übersetzt: „Viele Jahre“! Ich weiß nicht, von wie vielen Menschen uns am Neujahrstag und auch noch in den Tagen danach diese „vielen Jahre“ gewünscht worden sind und ebensowenig kann ich nachzählen, wie vielen wir sie gewünscht haben. Der Wunsch scheint an diesen Tagen beinahe die Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln zu ersetzen. Wie schön! Man wünscht sich nicht nur ein schönes neues Jahr, sondern gleich ganz viele. Nicht nur einmal soll sich der Festtag wiederholen, sondern vielmals. Ich fühle mich jedenfalls überreich beglückwünscht.

Zum Übergang ins Neue Jahr zählen in Griechenland diverse Silvesterbräuche wie ausgiebiges Kartenspielen und das Überschreiten der Hausschwelle — auf jeden Fall mit dem rechten Fuß zuerst, sonst bringt es Unglück.

Glück ist auch im griechischen Neujahrskuchen zu finden, der Vassilopita heißt. Auch mit ihm ist ein traditionelles Ritual verbunden. Joanna beschreibt auf der Internetseite „Griechische Küche“ nicht nur das Rezept, sondern auch das Ritual:

„Die älteste Person im Haushalt schneidet den Kuchen. Erstmal muss man den Kuchen ‚Kreuzen‘, bzw. mit dem Messer ein Kreuz auf die Oberfläche des Kuchens einritzen (Griechenland war und ist immer noch ziemlich christlich). Dann kann man anfangen die Stücke zu schneiden. Das erste Stück ist für Jesus, das zweite des Hauses (ja, Jesus und das Haus dürfen auch mal das ganze Jahr Glück haben!). Dann fängt man mit den älteren Mitglieder des Haushaltes an und macht nach dem Alter weiter. Natürlich gibt es Abwandlungen, aber so war es bei uns als ich Kind war. Jetzt schneiden meine Eltern am 1. Januar alleine zuhause einen Kuchen für die ganze Familie, inklusive Kinder und Enkelkinder, die vielleicht nach Deutschland ausgewandert sind!“

Neujahrskuchenessen auf Distanz. In Zeiten von Corona, in denen große gemeinsame Feste ausfallen, ist das Ritual von Joannas Eltern eine Idee, zumindest symbolisch miteinander den Jahreswechsel zu begehen.

Schön finde ich auch den Brauch, zum Neuen Jahr statt Böllern Granatäpfel auf den Boden zu werfen. Mit aller Wucht. Platzen sie auf, soll das den Überfluss an Glück und Gütern symbolisieren, den man sich fürs Neue Jahr wünscht.

Na dann: Viele Jahre!