STUFEN. ÜBERGÄNGE IM WELTBILD DER INKA: CHAKANA, DAS ANDENKREUZ

16. MÄRZ 2018
Das Weltbild der Inka wird im Chakana, dem Kreuz der Anden, versinnbildlicht.
Auch wenn es ein geschlossenes Weltbild ist, hat es viele Dimensionen.

Da ist zunächst die räumliche Dimension:
Die Stadt Cusco ist das Zentrum des Reiches, das sich in die vier Himmelsrichtungen erstreckt.

Die zeitliche Dimension bilden die vier Jahreszeiten.

Insbesondere die Winter- und die Sommersonnenwende sind für die Inka zentrale zeitliche Bezugspunkte.

Alle anderen Dimensionen des Andenkreuzes sind dreistufig aufgebaut.

Die Welten

Hanan Pacha – die obere Welt des Himmels und der Geister

Kay Pacha – die Welt unserer alltäglichen Existenz
Ukhu Pacha – die Unterwelt

Die drei Stufenzeichen finden sich in allen Tempelanlagen wieder, so wie hier im Tempel der drei Fenster in Machu Picchu:

Melina, die mich durch Ollontaytambo führt, erklärt ihre Bedeutung folgendermaßen:
Die drei horizontalen Linien stellen den Raum dar. Die vertikalen Linien die Zeit.

Die erste Stufe bezieht sich auf die Welt, in der wir leben und die man überschreiten kann (Kay Pacha).

Die senkrechte Linie weist auf die Zeit hin, die für das Erkennen der zweiten Stufe notwendig ist: die innere Welt oder auch die Unterwelt (Ukhu Pacha). Der Weg in diese Welt kann durch Träume oder den Tod gefunden werden. Die dritte und letzte Stufe kann durch religiöse Rituale und den Tod erreicht werden. Hier geht es um die Verständigung zwischen Menschen und den Gottheiten, die Hanan Pacha bewohnen, der Raum des Kosmos und der Ewigkeit.

Diese drei Welten werden durch bestimmte Tiersymbole repräsentiert, die jedoch auch das Vermögen haben, die Welten zu überschreiten und zu verbinden:
Der Kondor steht für die Oberwelt. Er symbolisiert Gerechtigkeit.
Er findet sich in Tempelanlagen wie dem Tempel des Kondor in Machu Picchu. Erkennt Ihr die großen Flügel, die der Fels-Kondor schwingt?

Der Puma bewacht unsere alltägliche Welt. Er steht für die Macht.
Die Schlange für die Unterwelt. Sie ist das Symbol für Weisheit.

Drei tugendhafte Ausrichtungen des menschlichen Lebens versinnbildlicht das Chakana:
Arbeiten, Lehren, Lieben

Und drei ökonomische Regeln, die alle nach dem Grundsatz der Reziprozität funktionieren:
Heute für Dich, morgen für mich.
Soziale Arbeit für die Gemeinschaft und den Inka.
Arbeit und Opfer für die Götter.

Da verwundert es nicht mehr, dass auch drei Lebensphasen durch Übergangsriten voneinander getrennt wurden: Kindheit, Erwachsenenalter und Alter. Der Übergang zum Erwachsenenalter wird zum Beispiel im Fest des Warachicuy gefeiert. Es fand und findet im September auf dem weiten Feld des Sacsayhuaman statt. Es bestand aus Mutproben und zeremoniellen Übergangsriten, die die Jungen auf dem Weg zur Männlichkeit durchschreiten mussten. Heute werden die Mutproben in Tänzen dargestellt.

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